Perfakta: „Trüffelsucher“ für das Handwerk

12.05.2019

Hilfe und Beratung von Handwerksbetrieben hat sich der Verein Perfakta Schleswig-Holstein zum Ziel gesetzt. Anhand genauer Datenanalysen können die Experten aus Kiel gezielte Verbesserungsvorschläge machen.

Mit dieser Broschüre informiert Perfakta Schleswig-Holstein über seine Arbeit.

 

Lübeck. Habe ich gut gewirtschaftet? Stimmen bei mir Leistung, Kosten und Ertrag? Wo kann ich sparen? Wie kann ich erfolgreicher sein? Fragen wie diese stellt sich jeder selbstständige Handwerker, vom Bäcker bis zum Zimmerer. Antworten darauf ganz alleine zu finden, ist schwierig. „Viele Handwerker sind in ihrem Fachgebiet sehr gut, aber kümmern sich wenig um Betriebswirtschaft. Da setzen wir an“, sagt Diplom-Volkswirt Christoph Tatka, Geschäftsführer von Perfakta. „Wir fühlen uns als Controlling für das Handwerk.“

Analyse für 250 Euro

Unternehmensanalysen für Handwerksbetriebe ist das Geschäft von Perfakta, ein Verein mit fünf Mitarbeitern, der sich in der Eigenwerbung als „Trüffelschwein des Handwerks“ bezeichnet, weil es in den Unternehmenszahlen verborgene Schätze aufspüren kann. Getragen wird der Verein von den Handwerkskammern Lübeck und Flensburg, den Innungen und Fachverbänden und dem Wirtschaftsministerium in Kiel. Dank der finanziellen Unterstützung bietet Perfakta Unternehmensanalysen für maximal 250 Euro an. „Das Land und die Kammern möchten, dass Betriebe lange am Leben bleiben, deshalb unterstützen sie das“, sagt Tatka, „Kontinuität ist unser Auftrag.“

Persönliches Gespräch

Wenn ein Handwerker eine Analyse wünscht, vereinbart ein Perfakta-Mitarbeiter zunächst einen persönlichen Gesprächstermin, zu dem ein kompletter Abschluss eines Geschäftsjahres vorliegen soll. Aus dem Gespräch und der Auswertung der Zahlen und Fakten entsteht dann ein detaillierter Bericht – mit Stärken und Schwächen des Betriebes sowie ersten Verbesserungsvorschlägen. Das Ergebnis wird dann in der Regel auch persönlich besprochen. „Wir wollen erklären und helfen“, sagt Tatka, „anonym und online würde dass nicht funktionieren.“ Wenn später konkrete Hilfe gebraucht werde, kommen die Betriebsberater der Kammern ins Spiel. Noch sei die Nachfrage ausbaufähig, denn es gebe viele Handwerker, die Hemmungen hätten, ihre Zahlen preiszugeben.

Zeiteinschätzung oft fehlerhaft

Der häufigste Fehler in einem Handwerksbetrieb sei eine falsche Einschätzung, wie viel Zeit man für die Erledigung eines Auftrages benötige, erklärt Christoph Tatka. Aber auch falsche Preise sowie unnütze oder übertrieben Kosten seien ein Faktor, wenn etwa eine zu teure Maschine gekauft oder eine zu große Lagerhalle angemietet wurde. Wenn es um angemessene Entlohnung gehe, fragten sich viele Handwerker heute: Zahle ich genug? Diese Frage sei früher nie gestellt worden. „Das hat sich inzwischen aber völlig gedreht“, sagt Tatka. „Wir empfehlen, den Mitarbeitern einen ordentlichen Lohn zu zahlen.“ Sehr wichtig sei die Nachkalkulation eines beendeten Auftrags. Wurden die geplanten Zeiten und Kosten eingehalten? „Das kostet zwar Zeit, aber es lohnt sich, um danach vorausschauender planen zu können“ sagt der Diplom-Volkswirt. 

Gute Lage für Elektriker

70 Prozent der Handwerker in Schleswig-Holstein würden in der aktuell guten Konjunkturlage mehr verdienen als zuvor, aber 30 Prozent schafften es selbst jetzt nicht, einen finanziellen Puffer für schlechtere Zeiten aufzubauen. Zurzeit profitierten vor allem Elektriker und Kälte- und Klimatechniker von der guten Lage. 13 von 15 durch Perfakta untersuchten Unternehmen konnten 2017 einen betriebswirtschaftlichen Gewinn erzielen.

Für Tischler sei die Situation nicht flächendeckend gut. Gemessen daran, was ein Tischler als Angestellter verdienen würde, habe nur die Hälfte der Selbstständigen im Jahr 2016 geschafft, ein Meistergehalt zu verdienen.

Probleme bei Friseuren

Problematisch sei die Lage für viele Friseure. Nur sechs von 16 untersuchten Friseursalons konnten 2017 einen betriebswirtschaftlichen Gewinn erzielen. „Viele Inhaberinnen von Friseursalons verzichten auf Geld, um selbstständig sein zu können“, erklärt der Perfakta-Geschäftsführer. Der durchschnittliche Stundenlohn einer Gesellin habe 2017 bei 11,12 Euro gelegen – 2014 seien es noch 8,30 Euro gewesen. Die Steigerung um 34 Prozent in drei Jahren sei für viele Salons schwierig zu finanzieren.

Extrem werde der Fachkräftemangel gerade im Straßenbau. „Baggerfahrer werden zum Teil mit Handgeld gesucht“, berichtet Tatka. Auch im Tiefbau fehlten zahlreiche Arbeitskräfte, und so ein Engpass habe dann auch Auswirkungen auf viele andere Gewerke. „Wenn geplante Neubaugebiete nicht erschlossen werden können, weil Tiefbauer fehlen, werden auch alle anderen Handwerke dadurch ausgebremst.“

Quelle: Christian Risch (ln-online.de)

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