Überall noch offene Lehrstellen

07.06.2018

Wer aufmerksam an Geschäften und Betrieben vorbei geht, sieht immer mehr Plakate, auf denen die Unternehmen Auszubildende suchen. Berufsnachwuchs ist knapp, wie eine Umfrage der Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön belegt.

Casandra Krüger (rechts) beginnt zum 1. August eine Ausbildung als Hotelfachfrau. Tjark Schmidt steht als Koch bereits in seinem dritten Lehrjahr. Direktionsassistentin Manja Przisambor begrüßt in diesem Jahr insgesamt vier neue Azubis

Lütjenburg    Die Handwerkerschaft verschickte vor Kurzem 700 Fragebögen an ihre Mitgliedsbetriebe. 350 antworteten. Sie meldeten 77 unbesetzte Lehrstellen. Da nur etwa ein Viertel der Firmen dem Berufsverband angehören und nicht alle bei der Umfrage mitmachten, liegt die tatsächliche Zahl deutlich höher, so Arne Hansen von der Kreishandwerkerschaft. „Es gibt in allen Branchen noch Lehrstellen.“ Das betrifft die Branchen Bau, Elektro oder Sanitär. Auch beliebte Berufe wie Zimmerer und Tischler klagen über fehlenden Nachwuchs. Die Azubi-Stellen waren in den vergangenen Jahren immer Monate vorher vergriffen. Jetzt sind einige unbesetzt, so Hansen.

Ein Beispiel dafür ist die Zimmerei von Oliver Steen in Helmstorf. Zwei Jugendliche fangen in diesem Jahr bei ihm an. Sie zu finden, sei „sehr, sehr schwierig“ gewesen. In früheren Jahren erreichte sein Unternehmen noch ausreichend Bewerbungen. Jetzt finden die Azubis vor allem über Schulpraktika zu ihm. Und eines fällt im auf: Sie werden immer jünger. Waren früher auch schon mal Abiturienten dabei, so startet der Nachwuchs in seinem Handwerk bei ihm mit 15 oder 16 Jahren.

Ein wenig Glück hat hingegen das Hotel Hohe Wacht in Hohwacht, findet Hoteldirektor Marco Gruber. Gleich vier junge Menschen beginnen im Spätsommer ihre Ausbildung in der Hotel- oder Restaurantbranche. Eine davon ist Casandra Krüger. Sie ist mit ihren Eltern erst vor Kurzem von Berlin nach Hohwacht gezogen. Ihre Eltern stammen selber aus der Gastronomie. Der Vater ist gelernter Barkeeper. Für sie war klar, dass sie ebenfalls in die Branche einsteigt. Die Berufschancen waren für sie nie besser als jetzt.

Ein Ausweg aus dem Lehrlingsmangel könnten Flüchtlinge sein. Statistiken über ihre Zahl führt die Kreishandwerkerschaft nicht. Aber die Bereitschaft ist da. Bei 90 Prozent der Betriebe steht ihnen die Tür für eine Ausbildung offen, ergab die Umfrage.

Quelle: www.kn-online.de

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