Warum sich Handwerk lohnt: Der beste Straßenbauer Schleswig-Holsteins erzählt

25.12.2019

David Unger hat als bester des Landes seine Prüfung zum Straßenbauer abgeschlossen. Auch einige andere junge Handwerker aus dem Kreis sind auf den vordersten Plätzen gelandet. Was der 25-Jährigen an seinem Beruf schätzt.

Petersdorf. Als David Unger sich entschied, Straßenbauer zu werden, hatte er nicht vor, Zertifikate zu sammeln. Jetzt besitzt er trotzdem eine Mappe voller Urkunden. Der 25-Jährige hat seine Lehre in diesem Jahr in der Firma Reimers-Bau auf Fehmarn abgeschlossen – und zwar als Bester in Schleswig-Holstein. Das freut nicht nur seinen Betrieb und ihn, sondern auch die Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön. Denn mit David Unger und zehn anderen jungen Handwerkern kommen 20 Prozent der beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf Landesebene Erstplatzierten aus dem Zuständigkeitsbereich der hiesigen Kreishandwerkerschaft.

„Das ist eine sehr gute Quote“, sagt deren stellvertretender Geschäftsführer Arne Hansen. Über alle Branchen im Handwerk hinweg sei es schwierig gute Fachkräfte zu bekommen. Deshalb freue ihn das Ergebnis umso mehr. „Die Zukunft dieser jungen Leute ist auf jeden Fall gesichert.“ Leider seien es im Vergleich zum Bedarf noch immer viel zu wenige junge Menschen, die sich für das Handwerk entscheiden.

Straßenbau ist mehr als Asphaltieren auf der Autobahn

David Unger hat sich dafür entschieden. Mit dem Straßenbau hat er genau das gefunden, was zu ihm passt. „Man sieht am Ende des Tages, was man geschafft hat“, sagt der 25-Jährige. „Ich würde jetzt nicht einfach anderen empfehlen, in den Straßenbau zu gehen. Jeder sollte das machen, worauf er Bock hat.“ Und wenn man nicht weiß, was das ist, müsse man sich ausprobieren. „Ich habe auch mal im Einzelhandel und in einer Tischlerei angefangen. Aber das war es nicht.“ Stattdessen ist der junge Mann im Straßenbau hängengeblieben. Vor allem Pflasterarbeiten, zum Beispiel mit Natursteinen, sind sein Ding.

Das, was viele Menschen ohne Branchenkenntnis mit dem Straßenbau verbinden, ist es hingegen nicht: „Asphaltieren auf Autobahnen oder großen Straßen machen wir in unserem Betrieb nicht“, sagt David Unger. Da sei er auch ganz froh drüber, denn beispielsweise im Sommer auf der Autobahn zu asphaltieren, sei eine ziemliche Plackerei.

Körperlich anstrengend ist die Arbeit bei Reimers Bau allerdings auch. Pflasterarbeiten an Gehwegen oder auf Privatgrundstücken beanspruchen den Körper schließlich ebenfalls. „Dazu haben wir Bereitschaftsdienste wenn irgendwo unter der Straße ein Rohr platzt“, sagt David Unger. Als Nachteil empfindet er das nicht: „Das hält fit. Außerdem brauche ich die Herausforderung, um motiviert zu bleiben.“

Als nächstes soll der Meister-Titel kommen

Deshalb möchte David Unger jetzt auch seinen Meister machen und den Fehmarner Betrieb einmal übernehmen. Aktuell ist seine Mutter Ines Unger dort Inhaberin, gelernt hat der junge Straßenbauer bei seinem Ausbilder und Stiefonkel Karl-August Reimers. Beide sind – wie kann es anders sein – mächtig stolz auf den 25-Jährigen. Mit der Meisterschule hat David Unger sogar schon angefangen – leider wirft ihn ein gebrochenes Bein jetzt zeitlich etwas zurück. Doch sobald das ausgeheilt ist, möchte er wieder richtig loslegen.

Pläne wie die des jungen Fehmarner Straßenbauers freuen Arne Hansen von der Kreishandwerkerschaft. „Wir versuchen immer junge Leute davon zu überzeugen, dass es sich lohnen kann, im Handwerk Karriere zu machen.“ Entweder durch die Meisterschule oder ein technisches Studium – schließlich können durch die Gleichstellung von Meistertitel und Hochschulabschluss auch Diplom-Ingenieure einen handwerklichen Betrieb führen.

Im Handwerk lässt sich gutes Geld verdienen

Doch auch wer das nicht macht, hat im Handwerk gute Aussichten auf einen sicheren Job bei – wobei das von der Branche abhängt – guter Bezahlung. Das Baugewerbe steht im Vergleich ziemlich gut da: „Die Ausbildungsvergütung ist mit die höchste in Deutschland“, sagt Arne Hansen. Im ersten Ausbildungsjahr bekämen Lehrlinge in Schleswig-Holstein fast 1000 Euro Brutto, im dritten Jahr mehr als 1400 Euro. Ausgelernte Facharbeiter bekämen nach Tarif 20 Euro in der Stunde. Um Lohndumping zu vermeiden gelte zudem ein zwingend einzuhaltender Mindestlohn auch für alle anderen Betriebe von 15,20 Euro.

Daneben kommt es auf den Betrieb selbst an. David Unger findet, wenn es gut läuft, dann sollte man seine Angestellten daran auch teilhaben lassen. So zumindest möchte er das machen, wenn sich seine Zukunftspläne erfüllen.

Diese Absolventen wurden auch geehrt

Von der Kreishandwerkschaft Ostholstein/Plön wurden alle Landessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks des Jahres 2019 ausgezeichnet, die in einem Handwerksbetrieb mit Sitz im Kreis Ostholstein oder Pön ausgebildet worden sind oder die in einem der beiden Kreise wohnen. Neben David Unger sind das noch einige mehr:

1. Landessieger: Augenoptikerin Katharina Bosse aus Bad Schwartau bei Colibri Contactlinsen und Brillen Lübeck; Bestattungsfachkraft Nele Jensen bei Bestattungen Dall in Schönkirchen; Elektroniker Kjell Wulf aus Dobersdorf bei Vater KNS energy in Schwentinental; Friseurin Pia Stender aus Lütjenburg bei Yvonne Schulz in Selent; Glaser Maximilian Kröger aus Timmendorfer Strand bei Oliver Nowitzki Ratekau; Maurer Christian Fischer aus Lensahn bei Baugesellschaft Nittritz in Harmsdorf; Orthopädietechnik-Mechaniker Lucas Boller beim Sanitätshaus am Löwen in Preetz; Schilder- und Lichtreklamehersteller Bjarne Netzel bei Neon Jahn, Inh. Annegret Rathke in Harmsdorf; Segelmacherin Jette Marie Brunck bei Detlef Jensen in Sierksdorf; Textilreinigerin Franziska Riechert aus Stockelsdorf bei der Vorwerker Diakonie Lübeck.

2. Landessieger: Bootsbauer Julius Henn bei David Lenz Fehmarn; Dachdeckerin Sabrina Alena Jung aus Bad Schwartau bei Thomas Eissing in Reinfeld; Friseurin Mareike Timcke aus Bad Schwartau bei Andrea Timcke in Lübeck; Gebäudereinigerin Tabea Bachmann bei Tatjana Bachmann auf Fehmarn; Zahntechnikerin Olga Busch aus Wankendorf bei Reitt & Meyer in Klein Rönnau; Zimmerer Lorenz Engel bei Walter Hoffmann Baugesellschaft in Neustadt/Logeberg.

3. Landessieger: Bootsbauer Jonas Artlich bei Yachttechnik Heiligenhafen; Dachdecker Torge Westphal bei Frehers & Witt auf Fehmarn.

Quelle: ln-online.de

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